Prozess

In diesem Abschnitt möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Entstehung eines Werkes und meine Arbeitsweise geben – am Beispiel eines monochromen Porträts.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten der Farbtechnik: der deckenden und der lasierenden Methode. In den meisten Fällen arbeite ich mit lasierenden Farben, so auch bei diesem Porträt. Lasierende Farben haben den Vorteil, dass sie sich sehr gut verarbeiten lassen. Ein Nachteil dabei ist jedoch, dass ungewollte Aktionen nur schwer wieder Rückgängig oder nicht mehr sichtbar gemacht werden können. Das bedeutet, dass man hier nicht einfach „übermalen“ kann. Als Untergrund benutze ich in diesem Fall speziellen Airbrush-Karton, der eine feine Textur bietet.

Zu Beginn habe ich den dunklen Hintergrund angelegt. Die Entfernung der Airbrush-Pistole zum Untergrund beeinflusst die Präzision des Sprühstrals. Je weiter die Pistole vom Bild entfernt ist, desto weniger Präzise wird der Strahl. Das ermöglicht es mir, weiche Übergänge und unscharfe Kanten zu erzeugen. Der Nachteil ist, dass dabei auch viel Sprühnebel entsteht, der sich auf andere Partien des Bildes legen kann. Wäre hier das Porträt schon fertig angelegt, bestünde die Gefahr, dass manchen Stellen dunkler werden könnten, als gewünscht.

Mit dem angelegte Hintergrund sind nun auch die Umrisse der Person sichtbar. Um die Proportionen entsprechend einordnen zu können, ist das eine gute Orientierung. Nun lege ich dunkle und markante Stellen an, wie z.B. Augen, Nasenlöcher oder Teile des Mundes.

Bei den Haaren verfahre ich ähnlich. Ich lege die dunkelsten Stellen an und sprühe den Verlauf der Haarstruktur vor. Gerade bei den Haaren sind viele Schichten notwendig. Dabei nutze ich zwischendurch auch Radierer, um die feineren und helleren Bereiche herauszuarbeiten. Das wiederhole ich in mehreren Schichten. Für die Tiefenwirkung ist das entscheidend. Die Haare sollen schließlich voluminös wirken und eine fluffige Optik bekommen.

Ich arbeite immer wieder an verschiedenen Stellen des Bildes, um nach und nach die markanten Stellen hervorzuheben. Diese dienen als gute Orientierungspunkte. Ein Referenzfoto des Porträts an meiner Staffelei, hilft mir hierbei. Außerdem nutze ich gerne  Handy oder Tablett. Hier ist es von großem Vorteil, wenn die Vorlage von guter Qualität ist, so kann ich das Bild beliebig vergrößern. Vor allem kleine Schatten, Reflektionen oder Übergänge in den Augenpartien, an der Nase oder auch im Mundbereich, lassen sich so viel besser erkennen. Das sind Feinheiten, die hinterher für den Ausdruck entscheidend sind.

Die Gesichtszüge sind hier schon gut ausgearbeitet. Die glatten Partien im Gesicht oder auch an den Armen sind hier aber noch sehr hell. Nun ist viel „Gefühl“ gefragt. Es sind relativ sanfte Übergänge und Farbverläufe, bei denen es nicht viel Farbe bedarf. Zu viel ist hier kontraproduktiv. Bei lasierenden Farben besteht nicht die Möglichkeit mit einer anderen Farbe gegenzuarbeiten, um es wieder aufzuhellen.

Wenn man jetzt mit dem vorherigen Schritt vergleicht, kann man erkennen, dass das Porträt durch die sanften Verläufe und das Abdunkeln bestimmter Partien nun noch viel mehr Tiefe bekommen hat.

Auf das fertige Bild habe ich dann noch einen Schutzlack aufgebracht, um es zu versiegeln.